Link zu meiner schriftlichen Arbeit (BP-Leistungsnachweis)

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Leistungsnachweis Berufspädagogik Corina Rohrer

Schriftliche Arbeit zum Artikel „Förderung von Lernkompetenzen“


Ich beziehe mich mit dieser Arbeit auf das Kapitel „Förderung von Lernkompetenzen“ von Christoph Metzger und Charlotte Nüesch, das in Facetten des beruflichen Lernens unter der Leitung von Dieter Euler im Jahr 2006 erschienen ist. Meine Arbeit gliedert sich in fünf Teile:

  • Kurze Zusammenfassung des Artikels von Metzger&Nüesch
  • Meine persönlichen Erfahrungen im Bereich Lernkompetenzförderung als Schüler
  • Meine persönliche Erfahrungen als Lehrerin
  • Kritische Einschätzung und Zukunftspläne
  • Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Lernkompetenzförderung

Ich werde versuchen, meine Arbeit so zu gestalten, dass ich Bezug auf die Praxis nehmen kann und schlussendlich auch ein Fazit für meine Arbeit als Lehrer ziehen kann.

1. Zusammenfassung des Artikels

Metzger&Nüesch gehen in ihrem Artikel der Situation in Bezug auf die aktive Förderung von Lernkompetenzen auf Niveau Sek II nach. Als erstes betonen die Autoren, dass es heute ein „explizites Bildungsziel“ (S. 153) der Sek II ist, die Schüler dahingehend zu fördern, dass sie in der Lage sind, selbstständig zu lernen und den Lernprozess aktiv zu durchdenken und zu steuern. Anhand von Reglementen der Berufsmaturität, der gewerblich-industriellen Berufsbildung und der Neuen Kaufmännischen Ausbildung zeigt sich deutlich, dass die Förderung von Lernkompetenzen an berufsbildenden Instituten kein Fremdwort sein darf. Um genauer auf Lernkompetenzen als solches einzugehen und auch die Resultate von verschiedenen Untersuchungen diesbezüglich zu analysieren, klären die Autoren zuerst die Begriffslandschaft ‚Lernkompetenzen‘. Die Grundlage der Lernkompetenzen ist ein „kognitiv-konstruktivistisches“ (S. 155) Verständnis von Lernprozessen. Die Auffassung von Lernkompetenzen basiert also auf der Idee, dass Lernende keine passiven ‚Schwämme‘ sind, die einfach alles aufsagen, was zu lernen ist, sondern, dass Lernende aktiv-mitdenkende, lenkende, zur Selbstregulation fähige und zielorientierte ‚Systeme‘ sind. Anhand von Metzger‘s Modell wird klar ersichtlich, dass Lernstrategien in einem sehr komplexen System eingebettet sind, das auch durch Wechselwirkungen stark geprägt ist. Um Lernstrategien erfolgreich untersuchen und auch fördern zu können, müssen die verschiedenen Dimensionen von Wissen (deklarativ, prozedural und konditional), motivationale Faktoren und auch unterschiedliche Aspekte in Bezug auf die Selbstwahrnehmung/-kompetenz mit einbezogen werden. Zusammenfassend kann also – so wie ich das Modell von Metzger verstehe – gesagt werden, dass Lernkompetenzen folgendermassen umschrieben werden können:


Lernkompetenz ist eine Fähigkeit, die dem Lernenden erlaubt mit verschiedenen Lernsituationen klarzukommen und diese auch aktiv so zu gestalten, dass dem Erwerb von Wissen nichts mehr im Wege steht. Lernkompetenz kann jedoch nicht isoliert als eine statische Fähigkeit angesehen werden,da sie in stetiger und dynamischer Wechselwirkung mit dem Selbstkonzept des Lernenden, dem Kontext und den emotionalen Faktoren (Motivation, Wille, Prioritäten etc.) steht.


Die Frage, die sich nun die Autoren stellen, ist: Wie kann dieses komplexe Konstrukt ‚Lernkompetenz‘ nun gefördert werden? Auf der Makroebene (d.h. auf der Ebene der Schule als Institution) kann Lernkompetenz individuell (auf einzelne Schüler persönlich zugeschnitten) oder kollektiv (auf der Ebene von gewissen Fächern oder Klassen) gefördert werden. Auf der Mikroebene (d.h. auf der Ebene des Unterrichts) ist grundsätzlich entscheidend, dass sich aus dem Gelernten Transfermöglichkeiten ergeben und dass ein möglichst breites Repertoire an Lernstrategien angestrebt werden muss, welches unbedingt auch mit konditionalem Wissen (welche Strategie in welcher Lernsituation?) verknüpft sein muss. Um dies zu erreichen sind gemäss den Autoren vier Phasen nötig:

  • Sensibilisierung
  • Strategien entwickeln
  • gefundene Strategien systematisieren
  • Strategien bewusst anwenden und auf ihre Wirksamkeit evaluieren

Wie aber lassen sich nun Lernkompetenzen überhaupt messen? Auf diese Frage wird in Kapitel 4.4. kurz eingegangen. Die Autoren zählen diesbezüglich Selbsteinschätzungsfragebögen, strukturierte Interviews, Fremdeinschätzung (habituelle Personenmerkmale) und die Methode des lauten Denkens, Mikroanalysen und Trace Methodologies (Konkretes Verhalten) auf. Alle diese Messmethoden haben ihre Vor- und Nachteile und sind somit – je nach Kontext – auch kritisch zu betrachten. Ich bin jedoch überzeugt, dass sie doch alle gewisse Einblicke bieten können und sicherlich auch zu einer tieferen Analyse des Lernens als aktiven Prozess führen können. Isoliert betrachtet – also als ein Abbild, das uns alles über den Lernenden und seine Denkprozesse verraten soll – sind diese Methoden jedoch sicherlich nicht ausreichend. Diese Messmethoden zeigen wohl eher eine Art Schnappschuss, der sicherlich noch genauer aus einem ganzheitlichen Blickwinkel betrachtet werden muss.

2. Meine persönlichen Erfahrungen im Bereich Lernkompetenzförderung als Schüler

Als Schüler war ich bis jetzt erst ein Mal Lernkompetenzförderung ausgesetzt. Ich sage bewusst ‚ausgesetzt‘, da es mir eher aufgezwungen wurde und ich kaum einen Nutzen davon tragen konnte. Während meiner Zeit an der Kantonsschule hatten wir während eines Semesters jeweils eine Lektion pro Woche einen „Lernen lernen“- Kurs. Dieser Kurs hat der gesamten Klasse aus folgenden Gründen sehr wenig bis gar nichts gebracht:

  • die Lehrperson war in keinster Weise in Bezug auf Lernkompetenzen geschult
  • die Förderung dieser Kompetenzen war zu keinem Zeitpunkt auf die individuelle Ebene von einzelnen Schüler ausgelegt
  • es wurden zwar gewisse „Rezepte“ für erfolgreiches Lernen vermittelt, jedoch nie kritisch hinterfragt oder in Verbindung mit konditionalem Wissen gebracht
  • das Konzept von Selbstregulierung, Selbstlenkung wurde nicht zum Thema gemacht, d.h. wir wurden nicht als aktiv denkende und handelnde Individuen betrachtet
  • die Lernkompetenzen wurden nicht in einem grösseren Kontext dargestellt, d.h. es fand keine Sensibilisierung statt und es wurden keine Transfermöglichkeiten geschaffen

Heute weiss ich, dass in diesem Kurs alle grundlegenden Faktoren einer erfolgreichen Lern-kompetenzförderung nicht beachtet wurden und somit auch der gewünscht Effekt ausblieb.

3. Meine persönliche Erfahrungen als Lehrerin

Als Lehrerin im Bereich der Kaufmännischen Grundbildung bin ich durch den Kompetenzwürfel der NKG mit der Förderung von überfachlichen Kompetenzen konfrontiert. Sozial- und Methodenkompetenz werden gemäss den Forderungen der Behörden in dieser Ausbildung gross geschrieben. Das Problem ist jedoch – wie schon Metzger&Nüesch betonen – die Umsetzung in der Praxis. An einigen Stellen im Lehrplan ist die Förderung von Lernkompetenzen jedoch klar verankert: die Ausbildungseinheit (AE), die Selbständige Arbeit (SA) und das Führen von Lernjournalen während diesen beiden Projekte. Die Projekte verlangen von den Schülern:

  • selbständiges Arbeiten an einem (zum Teil auch selbst gewählten) Thema über einen längeren Zeitraum
  • Zeit- und Projektmanagement
  • Selbstmonitoring und -regulierung
  • Arbeiten in einem Team (kooperatives Lernen)
  • Reflexion auf der Metaebene in Form eines Lernjournals (über die eigenen Fortschritte, über Stolpersteine, Schwächen und Stärken, Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf Lernumgebung etc. nachdenken)

Bei der Einführung in diese Spezialarbeiten habe ich stets versucht, die Schüler auf die nötigen Lernkompetenzen und die fächerübergreifende Potentiale dieser Arbeiten zu sensibilisieren. Ich habe auch stets darauf hingewiesen, dass diese Art von Projektarbeiten - die sowohl Teamfähigkeit wie auch individuellen Einsatz verlangen - nicht nur der Schule wegen Sinn machen, sondern, dass diese Arbeiten auch das ‚wahre Leben in der Arbeitswelt‘ reflektieren können. Ich habe mich auch stets bemüht, den Schüler das sorgfältige Führen des Lernjournals schmackhaft zu machen und ihnen aufzuzeigen, dass die Reflexion auf der Metaebene zur Förderung von überfachlichen Kompetenzen führen kann. Leider stellte sich immer nur ein sehr mässiger Erfolg ein, da die Schüler trotzdem Mühe hatten, den Sinn dahinter zu sehen. Grundsätzlich hat sich in der Kaufmännischen Grundbildung (B-Profil) immer wieder gezeigt, dass die Schüler Schwierigkeiten haben Schlagwörter wie „lebenslanges Lernen“, „Zeit investieren um Zeit zu sparen“ (Planung, Monitoring, Reflexion etc.) und „jetzt säen, später ernten“ als lohnenswert aufzufassen und auch entsprechend in ihr Arbeits- und Lernrepertoire aufzunehmen. Eine Methode, die sich bei der letzten Einführung gut bewährt hat und von den Schülern auch sehr geschätzt wurde, war die Methode des gemeinsame Sammelns von Ideen im Plenum, wie man eine solche lernkompetenzfördernde Projektarbeit angehen kann, wie man Stolpersteine aus dem Weg räumen kann und wie man sich Inspiration holen kann. Dies hat mir gezeigt,

  • dass die Schüler dieser Stufe sehr gerne Hilfe annehmen, wenn sie von Schulkollegen/innen und nicht von der Lehrperson kommen
  • dass es entscheidend ist, sämtliche Vorschläge zur Verbesserung von Lern-/Prozesskompetenz völlig wertefrei im Raum stehen zu lassen und fast kommentarlos zu sammeln, damit die Schüler selber die Methoden rauspicken können, die ihnen sinnvoll zu sein scheinen
  • dass der bewusste Wechsel auf eine Metaebene oft sehr schwierig ist für die Schüler, da konkrete, kontext- und aufgabenbezogene ‚Rezepte‘ wesentlich hilfreicher scheinen (und selbstverständlich dann auch sind!)

Diese Erkenntnisse haben meinen Blickwinkel sicherlich verändert und das Ziel wird es sein, diese Art von Ideensammlung zur Förderung von Lernkompetenz in Zukunft regelmässiger anzuwenden, auch im Bereich von kleineren Arbeiten, in Bezug auf Hausaufgaben, Prüfungsvorbereitung und vielleicht auch mit Blick auf Problemzonen am Arbeitsplatz. Nach dieser Sammlung sollte jedoch noch ein zweiter Schritt erfolgen, in dem dieses neue Wissen systematisiert wird und auch mit konditionalem Wissen verknüpft wird. Dies könnte zum Beispiel in Form eines Workshops geschehen, in dem zum Beispiel entsprechende Poster von den Schülern zusammengestellt werden.

4. Kritische Einschätzung und Zukunftspläne

a) Wie schätze ich die Situation ein?

Neben den oben erwähnten Spezialarbeiten findet sich im Lehrplan jedoch kaum eine systematische Einbindung von Lerninhalten, die explizit auf die Förderung von Lernkompetenzen abzielen. Meiner Meinung nach sind die Hauptfaktoren, die sich negativ auf eine Förderung von Lernkompetenzen auswirken können, folgende:

  • Ein sehr dichter Lehr-/Stoffplan und knapp bemessene Zeit zur Erarbeitung von diesem führen in vielen Fächer dazu, dass die Lehrperson wenig Spielraum hat, um noch zusätzlich systematisch Lernkompetenzförderung in den Unterricht einzubauen.
  • Sehr oft sind die Lehrpersonen auch mit Lehrmitteln und standardisierten Prüfungs-verfahren konfrontiert, die nicht auf die Förderung oder Messung von Lernkompetenzen ausgelegt sind, d.h. die kooperative Lernformen, Selbstregulierung, Mitgestaltung von Inhalten und fächerübergreifende Nutzung von (Tiefen-/Transfer-)Wissen nicht explizit fördern
  • Meiner Einschätzung nach, sind nur sehr wenige Lehrpersonen als „Lernkompetenz-coaches“ geschult. Eine gezielte Weiterbildung in diesem Bereich – und eine entsprechende schulinterne Einbindung der Lernkompetenzförderung – würde sich sicherlich positiv auswirken. (Siehe auch: Förderkonzepte in St. Gallen und Winterthur, Seiten 169-172))

b) Was kann ich persönlich verbessern?

Als junge Lehrerin, die erst neu in ein Lehrerteam aufgenommen wurde, bin ich verständlicherweise noch etwas schüchtern an Rahmenbedingungen wie Lehrplänen und Lehrmitteln zu rütteln. Aber mir wurde inzwischen klar, dass diese Rahmenbedingungen zwar starr sind, die Lehrperson aber doch viele Freiheiten hat, sich innerhalb dieses Rahmens zu bewegen. Ich habe mir nun überlegt, wie ich diese Freiheiten zur Förderung von Lernkompetenzen einsetzen könnte und bin auf folgende Ideen gestossen, die sich im regulären Unterricht einbinden liessen:

1. Selbsteinschätzung und Selbstlenkung trainieren

Ich musste oft feststellen, dass die Schüler grosse Schwierigkeiten haben, sich selber – in Bezug auf ihre Stärken und Schwächen oder Lernfortschritte – einzuschätzen. Um Selbstlenkung und Lernkompetenzen überhaupt fördern zu können, ist es jedoch entscheidend, dass man lernt sich gut einschätzen zu können. Dies kann unter anderem folgendermassen geschehen:

  • kurzer Selbsteinschätzungsfragebogen, der dann in kleinen Gruppen oder im Plenum diskutiert wird.
  • eine Stärken-Schwächen-Analyse anhand eines Aufsatzthemas oder Mindmaps
  • eine Fremdeinschätzung der Lehrperson oder eines Mitschüler lesen und reflektieren
  • in schriftlichen Übungen oder Prüfungen Selbsteinschätzungsfragen einbauen

Nach einer solchen oder ähnlichen Sensibilisierung kann dann gezielter auf die Selbstlenkung eingegangen werden. Entsprechende Materialen können zum Beispiel in Götz‘ Selbstreguliertes Lernen gefunden werden. Hier lernen die Schüler anhand von einfachen Übungsblättern sich mit Planung, Monitoring und Regulation ihrer Lernprozesse bewusster auseinanderzusetzen und diese drei metakognitiven Schritte auch zu verbessern. Eine weitere Möglichkeit diese Schritte zu reflektieren ist sicherlich auch das Führen eines Lerntagebuchs. Da die Schüler das aber erfahrungsgemäss eher ungern machen, würde ich mich entscheiden dies neu in Form eine Lern-Blogs zu machen und hoffen, dass dieses neue Medium den Schülern mehr Freude bereitet, eine attraktive Herausforderung darstellt und ihnen zusätzlich Einblick in die Möglichkeiten des Web 2.0 bieten kann.

2. Sozial- und Lernkompetenz in Form von Gruppenarbeit fördern

In Zukunft werde ich vermehrt darauf achten, dass die Schüler öfter die Möglichkeit bekommen, in Gruppen zu arbeiten. Bei Gruppenarbeiten wird einerseits Sozialkompetenz trainiert und andererseits bieten sie auch die Möglichkeit zielorientiert zu arbeiten, Problemlösetechniken anzuwenden und auch die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Vor allem haben aber Gruppen- oder Projektarbeiten den Vorteil, dass sich die Lehrperson in den Hintergrund tritt und die Schüler lernen aktiv und selbständig ihre Arbeit zu planen, einzuschätzen, zu lenken und zu fokussieren. Dieses selbständige, schülerzentrierte und längerfristige Arbeiten an einem Thema ermöglicht dem Lehrer einen Einblick in die Lernkompetenzen der Schüler und erlaubt gleichzeitig den Schülern ein aktives, problembezogenes Reflektieren über Lernprozesse und Arbeitstechniken.

3. Probleme beim Lernen thematisieren

Ein grundlegendes Problem zeigt sich dahingehend, dass Lehrpersonen die Tendenz haben, anzunehmen, dass die Schüler wissen wie etwas gelernt werden kann. Sehr oft machen sich die Lehrpersonen zu wenig Gedanken darüber, ob die Schüler überhaupt prozedurale und konditionale Lernstrategien zum Erwerb von Wissen bewusst anwenden. Probleme beim Lernen und bei der Wahl einer guten Arbeitstechnik müssen immer wieder im Unterricht thematisiert werden. Anhand von meinen persönlichen Erfahrungen hilft es jedoch wenig, wenn eine Lehrperson die „richtigen“ Lösungen für diese Probleme präsentiert. Die Schüler sollten die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen, für sie richtigen, Lösungen zu erarbeiten und zu kommunizieren. Wenn die Lehrperson dieses Thema immer wieder anspricht und insbesondere Diskussionen dazu anregt, können Schüler ihr Repertoire an Lernstrategien und Arbeitstechniken ausbauen, anpassen und so ein Netzwerk an Optionen schaffen. Eine weitere Möglichkeit wäre sicherlich auch ein Workshop oder eine Vortragsreihe zu diesem Thema aufzugleisen.

4. Informationsverarbeitung trainieren

Ein entscheidender Faktor bei der Förderung von Lernkompetenzen ist meiner Meinung nach der Umgang mit Informationen. Schüler müssen in der Lage sein mit grossen Informationsmengen zurechtzukommen und das Wesentliche herauszufiltern. Aufgaben sollten aus diesem Grund so gestellt werden, dass die Schüler gezielt nach Informationen suchen müssen, diese zusammenfassen oder darstellen (zum Beispiel anhand von Mindmaps, Tabellen, Präsentationen etc.) müssen. Hier bietet es sich an, die Schüler mit möglichst unterschiedlichen Medien (z.B. Zeitungen, Radio, Internet) und möglichst lebensnahen Aufgaben (z.B. Leserbriefe schreiben, Berichte zusammenfassen, Hintergrundinformationen recherchieren) zu konfrontieren. Hierzu muss manchmal sicherlich der ‚sichere‘ Weg verlassen und das Lehrmittel beiseite gelegt werden. Auch verschiedene internetbasierte Anwendungen wie webquests, internet-rallyes und wikis können vieles zur Förderung erfolgreicher Informationsverarbeitung beitragen. Grundsätzlich habe ich als einzelne Lehrperson also durchaus die Möglichkeit Lernkompetenz-förderung mehr oder weniger systematisch in meinen Unterricht einzubauen. Meine Aufgabe besteht also darin, mich ständig wieder auf lernkompetenzrelevante Fragen einzulassen, meinen Unterricht entsprechend anzupassen und geeignetes Lehr- und Lernmaterial zur Verfügung zu stellen. Ich bin mir jedoch bewusst, dass sich gewisse Faktoren im Bereich der Rahmenbedingungen (wie Lehrplan, Stoffplan, Notengebung, Schulleitung etc.) ändern müssten, damit von einer systematischen Einbindung von Lernkompetenzförderung in der Berufsbildung im Allgemeinen gesprochen werden könnte.

5. Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Lernkompetenzförderung

Welche grundsätzlichen Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit überhaupt ein stärkerer Fokus auf die Lernkompetenzförderung gelegt werden kann? Welche Kriterien müssen die Lehrperson und der Unterricht im Allgemeinen erfüllen, damit aktiv Lernkompetenzen gefördert werden können?

  1. Um Lernkompetenz fördern zu können muss der Unterricht schülerzentriert gestaltet werden. Da es um die langfristige Förderung von Kompetenzen des Lernenden geht, muss auch der Lernende im Mittelpunkt stehen und vor allem entsprechend seinen Stärken und einem konkreten Kontext gefördert werden. Dies führt insbesondere auch zu einem Unterricht, der es erlaubt, die Schüler individuell zu betrachten und zu unterstützen. Dieser Unterricht muss also so aufgebaut sein, dass Planung, Material und Lenkung es erlauben möglichst oft und intensiv auf die Schüler individuell einzugehen. Dass dies in vielerlei Hinsicht ein regelrechter Paradigmenwechsel bedeutet, ist mir durchaus bewusst.
  1. Als zweites muss sicherlich Kommunikation als ein wichtiger Grundpfeiler für die Lernkompetenz¬förderung angesehen werden. Der Unterricht muss so aufgebaut sein, dass Probleme und Fragestellung auf einer kommunikativen, interaktiven Ebene angegangen werden, so dass es den Schülern und Lehrern erlaubt ist, sich ausdrücken und Dinge anzusprechen. Diesbezüglich spielt die Lehrperson sicher eine entscheidende Rolle; sie muss bereit sein mit den Schülern – als Klasse und als Individuen – in Kontakt zu treten, lösungsorientiert zu arbeiten und sie muss ein gutes kommunikatives, zwischenmenschliches Gespür aufweisen und auch vorleben.
  1. Ein dritter entscheidender Faktor für Lernkompetenzförderung ist der Transfer. Lern-kompetenzen müssen – damit sie überhaupt als solche bezeichnet werden können – stets so aufgebaut werden, dass sie 1. einen Transfer zur Praxis und 2. einen Transfer zu anderen Fächern erlauben. Dies hat zur Konsequenz, dass sowohl der Unterricht als auch die Lehrperson, fächerübergreifend und praxis¬bezogen ausgerichtet sein müssen und der Unterrichtstoff als Teil eines Netzwerks angesehen wird. Einen Praxisbezug zur ‚Welt da draussen‘ herzustellen, liegt in der Hand einer jeden Lehrperson selbst und sollte bei entsprechenden fachdidaktischen Kenntnissen auch gut zu bewerkstelligen sein. Um aber den Unterricht aber auch fächerübergreifend aufzubauen, sind die Kommunikation und der erfolgreiche Austausch mit anderen Fachschaften unabdingbar. Dies ist etwas, was an meiner Schule sicherlich noch zu wenig praktiziert wird, den Schülern aber einen entscheidenden Mehrwert bringen würde.

Wenn wir nun diese Grundvoraussetzungen als Ganzes betrachten, zeigt sich, dass ein systemischer Zugang zur Pädagogik helfen könnte, diese zu schaffen. Gemäss Christa Renoldner et al. zeichnet sich systemische Pädagogik dadurch aus, dass sie

  • die Schüler als Individuen, als eigenständige „Systeme“ betrachtet, die „angeregt“ werden können (S. 14-15) und die – aus dem Betrachtungswinkel der Ressourcenorientierung – genügend Stärken mitbringen, also über „über ausreichend Möglichkeiten verfügen, ein Problem zu lösen“ (S. 32)
  • überzeugt ist, dass Kommunikation ein entscheidender Faktor ist, dass soziale Systeme nur durch Kommunikation aufrecht erhalten werden können (S. 55) und dass – durch Coaching – die Lehrperson „beim Finden einer eigenen Lösung“ (S. 93) eine wichtige Rolle spielt.
  • aufzeigt, dass Transfer eine entscheidende Rolle spielt, da eine „Vielfalt unserer Möglichkeiten […] durch die Koppelung mit den Umwelten“ (S. 61) entsteht.


Wie sich also zeigt, ist Lernkompetenzförderung etwas, das nicht mit der Aufnahme eines neuen Lehrmittels in den Lehrplan oder mit regelmässigen Fachschaftssitzungen erledigt werden kann. Im Gegenteil: Es bedingt einen Perspektivenwechsel, der Schulleitung, Lehrpersonen, Unterrichtsmethoden, Lehrmaterial und das Verständnis von Lehren und Lernen gleichermassen betrifft und beeinflussen muss. Wie weit systematische (oder vielleicht sogar systemische) Lernkompetenzförderung an meiner Schule Einzug nehmen wird, ist für mich schwierig abzuschätzen. Aber durch diese Arbeit, ist mir klar geworden, dass ich als einzelne Lehrperson doch ein bisschen etwas beitragen kann. Wenn ich auch nur kleine Schritte mache und manchmal vielleicht auch etwas Mut brauche, gewisse Dinge ausserhalb des Stoffplans einfliessen zu lassen, kann ich doch die Schüler mit der Förderung von Lernkompetenzen etwas besser auf die Herausforderungen Berufswelt vorbereiten und ihnen so zeigen, dass „Lernen der Preis für Handlungsfreiheit und Flexibilität [ist]“ (S. 60).


Quellen

Metzger, Christoph und Charlotte Nüesch. „Förderung von Lernkompetenzen“ in: Euler, Dieter (Hrsg.). 2006. Facetten des beruflichen Lernens. Bern: Hep-Verlag. Götz, Thomas (2006). Selbstreguliertes Lernen: Förderung metakognitiver Kompetenzen im Unterricht der Sekundarstufe. Donauwörth: Auer Verlag. Renoldner, Christa et al.. 2007. Einfach systemisch! Systemische Grundlagen und Methoden für Ihre pädagogische Arbeit. Münster: Ökotopia Verlag.

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